TEXTE ÜBER PAPSTBESUCH IN KASACHSTAN 
 


Russland kann Papstbesuch in Kasachstan und Armenien in Russisch mitverfolgen
 

VATIKAN, 29. August 2001 (ZENIT.org).- Noch hallt der Ukrainebesuch nach, und schon wird der Heilige Vater eine weitere Reise in ehemalige Sowjetrepubliken unternehmen, und zwar wird er vom 22. bis 27. September Kasachstan und Armenien besuchen.

Die Auswirkungen, die diese Reise in Russland haben wird, werden allerdings groß sein, da der Papst bei seiner ersten Etappe in Kasachstan Russisch sprechen wird, welche dort Landessprache ist. In jenen Breitengraden wird auch die Orthodoxe Kirche des Landes den Papst willkommen heißen, die mit dem Moskauer Patriarchen Alexej II. nicht gerade in bestem Einvernehmen steht, was dieser beim Papstbesuch in Kiew am 23. Juni auch hat deutlich werden lassen.

Das jüngst zur Hauptstadt erklärte kasachische Astana wird den Heiligen Vater bei seiner 95. Auslandsreise willkommen heißen. Diese Stadt ist vor drei Jahren aus dem Nichts entstanden und mutet einem an, wie Brasilien in Zentralasien. Ist sie doch geplant als Ausstellungsvitrine eines Landes, das bis 1991 zur Sowjetunion gehört hat.

Dem Reiseprogramm zufolge, das der Heilige Stuhl am 24. August veröffentlicht hat, wird der Heilige Vater um 19.30 Ortszeit auf dem internationalen Flughafen der Hauptstadt landen und von Präsident Nursultan A. Nazarbaev empfangen werden, der bereits 1990 Führer des Obersten Sowjet von Kasachstan war und ab 1. Dezember 1991 Präsident der neuen Republik wurde.

Sodann wird der Papst das Denkmal für die Opfer des kommunistischen Regimes besuchen, die in dem Land besonders zahlreich waren. Kasachstan wurde von Moskau als Deportationsland benutzt.

Am darauffolgenden Tag, dem 23. September, wird der Papst eine Messe auf dem Vaterlandsplatz zelebrieren und anschließend den Engel des Herrn mit den Gläubigen zusammen beten. In diesem 15 Millionen Einwohner zählenden Land, das fast so groß ist wie die Europäische Union, sind 47 Prozent der Bevölkerung muslimisch, 44 Prozent orthodox und 2 Prozent protestantisch.

Die Katholiken wurden in der Sowjetzeit sehr verfolgt, und ihre Zahl beläuft sich heute auf 180.000 mit vier Bischöfen, 59 Priestern, 62 Ordensfrauen, 37 Pfarreien und etwa 30 Hilfsstellen für Arme, Kranke und alte Menschen.

Wahrscheinlich werden an der Papstmesse auch orthodoxe Gläubige teilnehmen, da die Beziehungen zwischen den beiden Schwesterkirchen mit wenigen Ausnahmen, wie Fides am vergangenen 2. August bestätigt als positiv zu bezeichnen sind.

Auch der Großmufti des Landes zeigte sich sehr interessiert an dem Papstbesuch und legte der Organisationskommission sogar einige konstruktive Vorschläge vor.

Am Sonntagnachmittag wird der Papst wie bei allen seinen Reisen dem Präsidenten des Landes, Nursultan A. Nazarbaev, einen Höflichkeitsbesuch abstatten, auf den größtenteils die Initiative für diesen Besuch zurückgeht. 1998 bereits lud er den Papst in sein Land ein. Damals besuchte er den Vatikan und unterzeichnete einen bilateralen Vertrag mit dem Heiligen Stuhl, dem die juridische Anerkennung der Katholischen Kirche des Landes folgte. Einige Monate später wurde dann auch die neue kirchlich Struktur des Katholischen Kirche im Land bestätigt.

Den Sonntag wird der Papst durch ein Jugendtreffen in der Aula Magna der Universität "Eurasia" beschließen.

Am Montag, den 24. September wird der Papst die Messe in der Kathedrale Unserer lieben Frau von der immerwährenden Hilfe in Astana zelebrieren und anschließend, um 18.00 im Kongresspalast von Vertretern aus Kultur, Kunst und Wissenschaft empfangen werden. Dieser Besuch ist nicht zuletzt auf Grund des ökologischen Erbes und hinsichtlich der Energiegewinnung und Waffenproduktion des Landes in Sowjetzeiten so bedeutend.

Am Dienstag, den 25. September wird sich der Papst auf dem internationalen Flughafen Astana von Kasachstan verabschieden und ins armenische Eriwan weiterreisen. Eine Reise, die er selbst seit langem herbeigesehnt hat, um die überraschende Annäherung zwischen der römischen und der armenischen Schwesterkirche zu bestätigen, die ja beide apostolischen Ursprungs sind.
 

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FIDES DOSSIER ZU KASACHSTAN

Aus Anlaß des bevorstehenden Besuchs von Papst Johannes Paul II. in Kasachstan (22. bis 25. September) veröffentlicht Fides in der aktuellen Wochenausgabe ein ausführliches Dossier über dieses Land, das heute als Treffpunkt zwischen Europa und Asien betrachtet wird, mit einer eingehenden Analyse der historischen, gesellschaftlichen und religiösen Aspekte.

Ein großes asiatisches Land (2.717.300 qkm) der ehemaligen Sowjetunion mit europäischer Seele, das trotz seines Reichtums an Bodenschätzen so arm ist wie ein Dritte-Welt-Land; ein Land mit muslimischer Mehrheit, das alle Religionen respektiert und das alles daran gesetzt hat, Papst Johannes Paul II. einzuladen, so dass in diesen Tagen ein wahrer Ansturm auf die Karten zur Teilnahme am Papstgottesdienst stattfand, wobei es sich bei den Interessenten nicht nur um Katholiken sondern auch um Orthodoxe und Muslime handelt.

Dies ist das Bild von Kasachstan, das im Fides Dossier erläutert werden soll, nicht zuletzt anhand einer Analyse des schwierigen ethnisch-sozialen Gleichgewichts, das nach der Unabhängigkeit im Jahr 1991 ins Schwanken geraten ist, und das infolge der Wirtschaftskrise (43% der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze) nach dem Übergangs zu einem liberalen Markt auch unter massiven Migrationsbewegungen leidet. Seit dem letzten Jahr gibt es erste Anzeichen für einen leichten Aufschwung, doch es ist noch zu früh, um von einer bedeutenden Besserung der Lage zu sprechen.

Gegenwärtig sind von den 15 Millionen Einwohnern Kasachstans rund 8 Millionen sunnitische Muslime, etwa 6 Millionen orthodoxe Gläubige und rund 360.000 Katholiken des lateinischen Ritus. Außerdem gibt es eine kleine griechisch-katholische Glaubensgemeinschaft. Nach der atheistischen Eiszeit und dem Verbot aller Religionen in der sowjetischen Zeit wurden nun in den 10 Jahren seit der Unabhängigkeit 600 Kirchen und Sekten offiziell gemeldet; darunter auch viele fundamentalistische protestantische Gruppen, die von der Regierung ebenso gefürchtet werden wie fundamentalistische Muslime. Die Beziehungen der Katholiken zur orthodoxen Kirche und zu den anderen religiösen Glaubensbekenntnissen sind im allgemeinen gut und in einigen Fällen existieren sogar Formen der offenen Zusammenarbeit.

Das Fides Dossier befaßt sich auch eingehend mit der Geschichte der katholischen Kirche (deren Ursprünge bis in das 2. Jahrhundert zurück reichen); der Mission der Franziskaner im 13. und 14. Jahrhundert; Giovanni da Montecorvino, dem Apostel von Zentralasien und ersten Bischof von Peking; anderen Bischöfen, Missionaren und Märtyrern. Unter den zahlreichen Katholiken, die Opfer stalinistischer Deportationen geworden waren, darf P. Tadeusz Fedorowicz nicht vergessen werden, der dem jungen Karol Woytjla als geistlicher Begleiter zu Seite gestanden hatte und sich zusammen mit den Gläubigen seiner Pfarrei deportieren ließ, um sie nicht ohne geistlichen Beistand zu lassen.

Nicht zuletzt enthält das Dossier auch ein Interview mit dem italienischen Missionar Edoardo Canetta, der als Fidei Donum-Priester in Astana tätig ist. Er lebt seit sieben Jahren in Kasachstan und ist Mitglied des Vorbereitungskomitees für den Papstbesuch. Mit Fides sprach er über die gegenwärtige Situation der Kirche und die Herausforderungen, der die Evangelisierung gegenübersteht.  (Fides 7.09.2001)